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Burnout: Leitsymptome, Verlauf, mögliche Folgen, Risikofaktoren, Diagnose, diagnostische Instrumente, Behandlung

Entscheidung für eine innere Work-Life-Balance hilft langfristig einen Burnout zu vermeiden
Burnout oder lieber eine innere Work-Life-Balance?

 „Ich habe viel zu viel über zu lange Zeit für viel zu viele andere und mit viel zu wenig Rücksicht auf mich selbst gearbeitet.“

 

Erkennst du dich darin wieder?

 

Der Psychoanalytiker H.J. Freudenberger führte in den 1970er Jahren den Begriff „Burnout“ ein.

 Doch bereits in der Bibel wird die tiefe Erschöpfung eines Propheten („Elias-Müdigkeit“) geschildert.

 

 

 

 

Spezifische Leitsymptome im klinischen Sinn

  • körperlich-seelische Erschöpfung; sinkende Belastbarkeit hinsichtlich körperlicher Anstrengung, Konzentration, Kreativität, Emotionalität (z.B. abnehmendes Mitgefühl).
  • Depersonalisierung; Entfremdung von sich selbst und anderen Menschen, zunehmende innere Distanz zum eigenen Handeln und zur Arbeit.
  • vermindertes Selbstwirksamkeitserleben; Gefühl, aus eigener Kraft wenig zum Positiven verändern zu können.

 

Typische Symptome

  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Benommenheit
  • Rückenschmerzen, Verspannungen der Nackenmuskulatur
  • Magen-Darmbeschwerden
  • Tinnitus
  • Schlafstörungen
  • Konzentrationsschwierigkeiten

 

 

Verlauf

Burnout entwickelt sich schleichend vom Überengagement über Stagnation, Frustration, Apathie bis zum körperlichen und psychischen Zusammenbruch
Verlauf eines Burnouts

Von Idealismus über Stagnation, Frustration, Apathie bis zum körperlichen und psychischem Zusammenbruch.

 

Dabei entwickelt sich ein Burnout langsam schleichend über Monate bis Jahre hinweg.

mögliche Folgen

  • gestörtes Essverhalten
  • Freizeitbeschäftigungen werden vernachlässigt
  • Alkohol-und Zigarettenkonsum nehmen zu
  • Beruhigungsmittelkonsum steigt
  • Ehe-und Familienprobleme
  • häufiger Arbeitsplatzwechsel

 

Risikofaktoren

  • überhöhte bis perfektionistische Erwartungen
  • überstarke Kontrollbedürfnisse (Abwehr, zu delegieren oder Hilfe anzunehmen)
  • spärliche Selbstfürsorge mit geringer Entspannungs-, Genuss- u. Regenerationskompetenz
  • großer Druck und hohe Verantwortung bei gleichzeitig geringen Einflussmöglichkeiten
  • Arbeitsdichte, Zeitdruck, mangelnde (positive) Rückmeldung, geringe soziale Unterstützung
  • vermehrte Anforderungen zum ständigen Um-Neulernen, Flexibilitätsdruck
  • immer mehr steigende Beschleunigung
  • "24-Stunden-Gesellschaft"

 

Diagnose

Am Anfang einer fachgerechten Behandlung muss eine sorgfältig gestellte Diagnose stehen!

Hier geht es auch um den Ausschluss anderer seelisch bedingter Störungen wie z.B. Depressionen.

Niedergeschlagenheit, Schuldgefühle, innere Unruhe sind bei Burnout geringer ausgeprägt als bei einer Depression.

In späteren Abschnitten von Burnout gehen beide Störungsbilder, Burnout und Depression, ineinander über (Erschöpfungsdepression).

 

Das Burn-out-Syndrom wurde im ICD-10 mit der Zusatzdiagnose Z 73 (Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung) kodiert. Bei der Diagnosestellung blieb damit sowohl der Kontext (Arbeit) als auch der Schweregrad der Erkrankung unklar. Somit zählt es nicht zu den psychischen Störungen im engeren Sinne. In der Öffentlichkeit wird es aber häufig als solche wahrgenommen.

Weiterhin stand im Raum, ob es sich beim Burn-out-Syndrom (Z 73) um eine eigenständige Erkrankung handelt. 

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat bei ihrem Treffen im Jahr 2019 Burnout erstmals als Krankheit anerkannt (Code QD 85). Zukünftig wird der verbreitete Belastungszustand als Syndrom aufgrund von "chronischem Stress am Arbeitsplatz, der nicht erfolgreich verarbeitet wird" definiert.

Gekennzeichnet ist Burnout dann durch 3 Dimensionen:

  • ein Gefühl von Erschöpfung
  • eine zunehmende geistige Distanz oder negative Haltung zum eigenen Job
  • ein verringertes Leistungsvermögen im Beruf.

 

Explizit weist die WHO darauf hin, dass der Begriff Burnout ausschließlich im beruflichen Zusammenhang und nicht "für Erfahrungen in anderen Lebensbereichen" verwendet werden sollte.

 

 

Die neue Klassifikationsliste ICD-11 ist seit Januar 2022 in Kraft getreten.

Die ICD ist die International Classfication of Disease, ein international anerkanntes Klassifikationssystem für Gesundheitsstörungen. An ihr orientieren sich sowohl Ärzte und Ärztinnen, aber auch die Krankenversicherungen, wenn sie Diagnosen verschlüsseln. Über 190 Mitgliedsstaaten der WHO haben diese in jahrelanger Zusammenarbeit entwickelt.

 

 

Diagnostische Instrumente

Diagnostische Instrumente zur Untersuchung bzw. Feststellung eines Burn-out-Syndroms sind u.a.:

  • Maslach-Burnout-Inventory (MBI)
  • Copenhagen Burnout Inventory (CBI)

 

 

Behandlung, Prävention

Auf jeden Fall muss ein individueller Behandlungsplan erstellt werden, der die spezifische Situation, die psychischen Konflikte und die persönlichen gesundheitsfördernden Ressourcen berücksichtigt.

Hilfreich sind Therapiebausteine wie z.B.:

  • Entschleunigung und Ausbau von Entspannungskompetenz (Erlernen von achtsamkeitsbasierten Übungen und Entspannungsverfahren wie z.B. Progressive Relaxation)
  • Bereitschaft zur Selbstverantwortung hinsichtlich gesunder Lebensführung (Schlaf, Ernährung, Bewegung, Naturkontakt)
  • Verbesserung von Stressbewältigung, Zeitmanagement (Multimodale Stresskompetenz)
  • Nutzung von Ressourcen im zwischenmenschlichen Bereich; Lernen, sich Rückmeldungen oder Unterstützung zu holen.

 

wichtig

Burnout ist kein persönliches Versagen oder ein Scheitern.

Es ist eine reale Gefahr für die seelische Gesundheit in der Arbeitswelt, für die es wirksame und bewährte Hilfsmöglichkeiten gibt! 

Wenn du entsprechende Anzeichen bei dir selbst merkst, dann werde aktiv für deine eigene körperliche und seelische Gesundheit und suche dir professionelle Hilfe!